Meyer rät, Folge 3

16. Juni 2014

Kürzlich sass neben mir im Kino ein Mann, der die Körperpflege offensichtlich vernachlässigte, kurz: er stank. Wie verhält man sich in einem solchen Fall?

Lassen Sie mich mit einem eigenen betrüblichen Erlebnis beginnen. Ich sass einst mit einem Freund in einem indischen Restaurant in Zürich. Kurz, nachdem unser Mittagessen serviert worden war, setzte sich eine Dame an den Nebentisch, die sich dermassen stark parfürmiert hatte, dass ich mein eigenes Essen nicht mehr riechen konnte (was angesichts der aromatischen indischen Küche wirklich bemerkenswert ist). Es war schlicht ekelerregend, zumal diese Frau – konsequenterweise – ein sehr billiges Parfüm trug. Und noch heute ärgere ich mich, dass ich sie nicht auf ihr asoziales Verhalten hingewiesen und gebeten habe, sich woanders hinzusetzen.

Allerdings hätte sie mit hoher Wahrscheinlichkeit höchst unerfreut reagiert, so wie die meisten Raucher sofort ausfällig werden, wenn man ihnen sagt, ihr Rauch störe einen. Man kennt diese Leugner des Verursacherprinzips aus dem Strassenverkehr: Erst verweigern sie einem den Vortritt und zeigen einem dann den Finger, nachdem man gehupt hat. So sind sie leider, die Menschen: eine Bande von selbstherrlichen, uneinsichtigen Rüpeln, die glauben, sie seien allein auf der Welt.

Die Frage ist einfach, was es nützt, ihnen das zu sagen. Eine solche Situation würde ziemlich sicher eskalieren, denn von einem, der müffelt, sind auch keine feinen Manieren zu erwarten. Erst recht nicht, wenn er, wie der Mann in Ihrem Fall, einen reservierten Sitzplatz neben einem hat.

Die Antwort auf Ihre Frage lautet deshalb: Suchen Sie sich von Anfang an einen anderen Platz. Eine Auseinandersetzung bringt hier nichts. Es steht Ihnen aber eine subtile Form der Zurechtweisung zur Verfügung: Gucken Sie den Stinker richtig böse und kopfschüttelnd an, während Sie aufstehen – er wird dann schon wissen, weshalb!

 

Haben Sie auch eine Frage? Mailen Sie sie an magazin@sonntagsblick.ch, mit dem Betreff »Meyer«. Die Kolumne »Meyer rät« erscheint wöchentlich im Magazin des Sonntags-Blicks.


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